Gala der Schönsten

No Future?

Neulich sah ich auf Spiegel Online einen Bericht über eine obskure luxuriöse Veranstaltung in Hamburg, von der außer Gastgebern und Sponsoren wohl niemand weiß, was sie eigentlich soll. Auf einem Foto steht ein ehemaliger sowjetischer Parteichef zwischen jungen schönen Frauen und zwei älteren Damen in schönen Kleidern, die irgendwofür geehrt wurden: Vivienne Westwood und Bianca Jagger. Moment, da war doch mal was….

Vivienne Westwood betrieb Mitte der Siebziger zusammen mit ihrem Partner Malcolm McLaren in London eine Boutique namens „Sex„, in der sie selbstentworfene Klamotten verkaufte – Lack- und Ledersachen, Sadomaso-Utensilien, kunstvoll zerrissene T-Shirts mit provozierenden Slogans und Symbolen und ähnliches. Eben das, wofür sie jetzt den World Fashion Award erhielt. Als Werbegag casteten sie eine junge Band, die aggressive Musik mit ihrer Mode verband, benannten sie nach ihrem Laden Sex Pistols und arrangierten für sie schlagzeilenträchtige Skandale. Das war die Geburtsstunde des Punk. No Future! riefen die Kids.

Die Mode von Vivienne Westwood ist inzwischen anerkannt und ihre frühe Kollektion in Ausstellungen zu besichtigen, z.B. vor einigen Jahren in Vive Le Punk! und zur Zeit gerade im Londoner Victoria and Albert Museum. Eines ihrer T-Shirts aus den 70ern galt als Punk-Manifest: Es trug die Aufschrift „You’re gonna wake up one morning and know what side of the bed you’ve been lying on!“, darunter stand auf der linken Seite alles was man hasste, auf der rechten Seite alles was man mag. In der Hass-Spalte befand sich neben „all those fucking saints“ auch der Name des Rockmusiker-Luders Bianca Jagger. Das fiel mir wieder ein, als ich das Foto im Spiegel sah.

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