Hotel Tonight – Die App im Test

Life happens when you’re busy making other plans. Wusste schon John Lennon. Und so fanden auch wir uns aller Planung zum Trotz eine Nacht früher in El Paso, Texas, der nächsten Stadt unserer US-Odyssee als geplant. Bei der Fülle an Hotels, Motels und zig weiteren high bis very low budget Unterkünften in nahezu jeder amerikanischen Metropole kein Problem. Einfach beim nächsten Starbucks (oder for free auf dem Parkplatz davor) ins WLan eingeloggt und auf Motels.com und anderen Seiten ein billiges Bett ergoogelt. Wenn es allerdings schon Abend wird, rund vier Stunden Anfahrt hinter einem liegen und sich auf TripAdvisor wieder mal alle reviewer uneins über ein Super 8, ein Days Inn usw. sind, dann nervt last minute schnell.

 

Herbergen-Joker: Die App Hotel Tonight im Test.

So wurde El Paso zum ersten Test für eine App, die wir uns schon vor dem Aufbruch aus Neugier aufs iPhone geladen hatten. Nur der perfekte „Notfall“ für den Einsatz von Hotel Tonight fehlte noch. Bis jetzt. Nach kurzer Registrierung geht alles ganz schnell. Wir fahren vom Highway ab, wählen uns beim Kettencafé aus Seattle ein und suchen mit Eingabe von „El Paso“ in der sehr übersichtlichen App nach Übernachtungsoptionen. Die, das hatten wir vorher schon gesehen, werden zu teils deutlich vergünstigten Tarifen angepriesen. Mal spart der Tourist 10, mal auch um die 50 Dollar gegenüber dem Normalpreis eines Zimmers.

 

 

Angereichert mit Bildern (oft von Usern) sowie drei kurzen, fast schon redaktionellen Infos, warum dieses Hotel einen stay wert ist, werden alle verfügbaren und von der App für OK befundenen (!) Hotels gelistet. Hat man sich entschieden, genügen zwei Klicks für die (bindende) Buchung, die Bezahlung erfolgt über die eigetragene Kreditkarte. Die Rechnung verschickt Hotel Tonight per E-Mail. Einige Hotels und Motels wollen allerdings trotz Vorausbezahlung als Sicherheit ebenfalls die Kreditkarte „durchziehen“ – für etwaige Extras etc. Alles in allem aber ein angenehm unbürokratisches last minute booking!

 

 

Gleich zum zweiten Mal erwies sich Hotel Tonight nur wenige Tage später als Retter in der Not. Ein heftiger Sturm machte uns und unserem Zelt im Franklin Mountain State Park von El Paso in der dritten von vier geplanten Nächten das Leben schwer.

Doch was nun? Die Wettervorhersage von Yahoo! versprach wenig Aussicht auf Verbesserung, unsere AirBnB-Behausung in Santa Fé war jedoch erst einen Tag darauf beziehbar. Nach Plan eben. Kurzerhand entschlossen wir uns, früher in New Mexicos Norden aufzubrechen und einen Tag nebst Nacht in Albuquerque zu verbringen. Die Stadt rasch bei Hotel Tonight eingetippt, durch die Vorschläge gescrollt und zugeschlagen. Mit 72 statt an die 100 Dollar pro Nacht war die Nativo Lodge einer lokalen, gehobenen Kette das passende Schnäppchen. Klick, klick, fertig. Jetzt bloß noch Gas geben.

 

Von Kopf bis Fuß auf Indianer eingestellt – so ein Designmotto kann auch ganz schön nach hinten los gehen. Mit Winnetou auf du und du und so. Tomahawk-Kitsch und Nscho-tschi als Kellnerin. Doch der Nativo Lodge, nach vielen Wochen das erste richtige Hotel auf unserem road trip, gelingt es ganz gut, das Deko-Thema deutlich aber dezent umzusetzen. Keine Friedenspfeife zur Begrüßung (es gibt allerdings ein Shisha-Tipi …), kein Bisonfilet auf der Speisekarte, kein How, ich habe gesprochen zur Abreise. Bis auf ein sexuell extremst aktives Paar im Nebenzimmer („Oh my God … oh my God … Yes, yes, yes …“) gefiel uns dieser Aufenthalt ebenfalls wunderbar.

Three’s the charm sagt man in den USA für Aller guten Dinge sind etc. – und mit unserer dritten accomodation (abermals extrem kurzfristig gebucht über Hotel Tonight) hatten wir erneut mächtig Glück. Das Days Hotel in Scottsdale (zu 68 Dollar die Nacht statt über 100) war im Vergleich mit unserem sonstigen eher moderaten Motel-Standard und Zeltplätzen fast schon luxuriös. Eine richtige Hotellobby, cra-zy! Ein Pool, in den man sogar ohne Desinfektionskommando springen könnte. A-mazing. Und statt an irgendeinem Highway in der Peripherie waren wir nach kurzer Fahrt mitten drin in dieser zauberhaften (und äußerst wohlhabenden) Stadt, die sich ihr Wild-West-Erbe bewahrt und trotzdem ganz im here and now ist. Bestes Wetter inklusive.

Fazit unserer Tests der Hotel Tonight App: Die angenehm redaktionelle Beschreibung der gelisteten Hotels gefällt, ebenso die streng kuratierte Auswahl statt überladener Suchergebnisse, die man stundenlang durchflöhen muss (s. Booking.com u.a.). Die sehr transparenten Rabatte fallen unterschiedlich aus, zum Teil spart der Reisende erheblich, manchmal verlockt aber auch ein kleiner Nachlass zu einem Luxus-Wochenende andernorts. Die Buchung selbst, wie schon weiter oben beschrieben, geht ratzfatz und lässt sich auch mit Gratis-Wlan an irgendeiner Tankstelle oder bei Starbucks spielend abwickeln. Rechnung kommt prompt per E-Mail, das freut den Steuerberater.

Einziges Manko: Noch ist Hotel Tonight nicht flächendeckend in den USA „daheim“, manches Mal führt die Suche zu einem „Sorry, hier kommen wir erst noch hin“. Oh, well. Während wir andere angeblich so unverzichtbare Road-Trip-Apps mittlerweile längst wieder vom Smartphone verbannt haben, bleibt Hotel Tonight jedenfalls definitiv im Ordner „Reise“. Safe travels!

 

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