Struwwelpeter

Der Struwwelpeter ist der Titel eines Bilderbuches des Frankfurter Arztes Dr. Heinrich Hoffmann aus dem Jahr 1845. Es enthält mehrere Geschichten, in denen Kinder nach (angeblichem) Fehlverhalten drastische Folgen erleiden, die von einem Sturz ins Wasser bis zum Tod reichen. Der Struwwelpeter gehört zu den erfolgreichsten deutschen Kinderbüchern und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, ins Englische z.B. von Mark Twain.

Die Entstehung des Struwwelpeters beschrieb Hoffman so:

„Gegen Weihnachten des Jahres 1844, als mein ältester Sohn drei Jahre alt war, ging ich in die Stadt, um demselben zum Festgeschenke ein Bilderbuch zu kaufen, wie es der Fassungskraft des kleinen menschlichen Wesens in solchem Alter entsprechend schien. Aber was fand ich? Lange Erzählungen oder alberne Bildersammlungen, moralische Geschichten, die mit ermahnenden Vorschriften begannen und schlossen, wie: ‚Das brave Kind muss wahrhaft sein‘ oder: ‚Brave Kinder müssen sich reinlich halten‘ usw.“

Er beschloss, für seinen Sohn selbst ein Bilderbuch zu schreiben bzw. zu zeichnen. Das Geschenk hatte die erhoffte Wirkung und erzielte auch in Hoffmanns Bekanntenkreis großes Aufsehen.

Er ließ sich überreden, es in Druck zu geben, allerdings zunächst unter dem Pseudonym Reimerich Kinderlieb. Bis 1858 trug es den Titel „Lustige Geschichten und drollige Bilder für Kinder von 3 – 6 Jahren“, erst dann bekam das Werk den Namen „Struwwelpeter“ und professionellere Zeichnungen.

 

Die Titelfigur, der Struwwelpeter (Quelle: WikiSource, mit PS bearbeitet)

Heute ist die Urheberrechts-Schutzdauer weltweit abgelaufen, da der Künstler bereits seit über 70 Jahren tot ist. Es ist damit gemeinfrei („public domain“). Sowohl die Lustigen Geschichten… von 1845 als auch der Struwwelpeter von 1858 sind in der Wikisource abrufbar. Daher stammen auch die Bilder in diesem Beitrag.

Aus den Geschichten des Struwwelpeter spricht der autoritäre Erziehungsstil des Biedermeier, gegen den sich bereits im 19. Jahrundert Kritik richtete. Heute kann das Werk nicht mehr mit der gleichen Selbstverständlichkeit als Haus- und Erziehungsbuch akzeptiert werden, wie es in früheren Generationen der Fall war. Dabei richtet sich die Kritik nicht gegen den Erziehungsanspruch als solchen, sondern gegen die negativen Verhaltensmodelle, die vorgeführt werden, die repressive Strafpädagogik sowie die autoritär-dogmatische Unbedingtheit, mit der die Erziehung praktiziert wird.

Dabei ist die Geschichte von den schwarzen Buben  (und dem Mohr) noch eine der harmloseren.

Genau wie die Bildergeschichten „Max und Moritz – Eine Bubengeschichte in sieben Streichen“ von Wilhelm Busch (1865 veröffentlicht; eines  seiner Frühwerke) ist die Moral der Geschichten in beiden Fällen: Kinder seid brav, sonst …

Und das ist noch gelinde ausgedrückt.  Es sind schreckliche Horrorgeschichten und welche Eltern möchten, dass ihren Kindern jemals so etwas zustößt?

Die Streiche bzw. (angebliches) Fehlverhalten der Protagonisten ziehen drastische Strafen nach sich, haben keinerlei Humor, und es verwundert ein wenig, das diese Bücher immer noch nicht auf der Liste der jugendgefährdenden Medien gelandet sind.

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