Warum können wir nicht gradeaus gehen?

Orientierung – Im Kreis gehen

Wir kennen die Situation aus Filmen: Der Held mit weiblicher Begleitung (oder umgekehrt) irrt durch ein unbekanntes Gebiet. Nach stundenlanger Wanderung kommt unweigerlich der Satz „Sch…, hier waren wir doch schon einmal!“. Ist das ein Hollywood-Klischee oder ist da etwas Wahres dran?

Es ist etwas Wahres daran. Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik schickte Versuchsteilnehmer sowohl in der Sahara als auch im Rheinland bei Dunkelheit auf den Weg, forderte sie auf, immer geradeaus zu gehen und verfolgte ihre Strecke per GPS. Hier ist das Ergebnis für die Rheinländer:

 Abbildung: Jan Souman / Google Earth, Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik

Die roten Punkte stellen die Startpunkte der Testpersonen dar, die farbigen Linien ihre Laufwege. Während sich PS, KS und RF nicht am Sonnenstand orientieren konnten, schien bei SM kurz nach Beginn der Wegstrecke die Sonne. Den Läufern in der Wüste ging es nicht anders. Woran liegt das?

Die Testpersonen in Wald und Wüste. Fotos: Jan Souman, Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik

 

Ursachen

Zunächst fand man heraus, dass nicht unterschiedlich lange oder unterschiedlich kräftige Beine die Ursache sind. Es beruht auch nicht auf Unterschieden der linken und rechten Gehirnhälfte. Auf einem freien Feld mit verdeckten Augen liefen die Testpersonen mehr oder weniger zufällig von der angepeilten geraden Linie ab, manchmal rechts, manchmal links herum. Immer wieder durchliefen sie enge Kreise – teilweise sogar mit weniger als 20 Meter Durchmesser. Menschen mit verbundenen Augen schaffen es selten, mehr als 20 Meter geradeaus zu gehen. Ohne äußere Orientierungshilfen entfernen sie sich im Durchschnitt nicht weiter als 100 Meter von ihrem Startpunkt.

Die genaue Ursache, warum das so ist, fanden die Wissenschaftler jedoch nicht heraus. Vielmehr war ihr Fazit: „Wir können unseren Sinneseindrücken aus Augen, Ohren und Gleichgewichtsorganen nicht bedingungslos vertrauen. Vielmehr nutzen wir zusätzliche äußere Orientierungshilfen, wie beispielsweise Berge, Sonne oder Gebäude, mit denen unsere Wahrnehmung abgeglichen und gegebenenfalls korrigiert wird.“

Amerikanische Forscher haben nicht nur Fußgänger getestet, sondern auch Schwimmer und Autofahrer und kamen zum gleichen Ergebnis und gleicher Ratlosigkeit. Hier ein lustiger Film über ihre Versuche:

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