Wann kommt es zu einer Sturmflut?

Aus gegebenem Anlass einiges zum Thema Sturmflut. Auch wenn heute hohe und breite Deiche die Küstenbewohner höchstwahrscheinlich schätzen können, mochte ich an die vielen Menschen erinnern, die in den vergangenen Jahrhunderten dem Meer zum Opfer fielen. Beispielhaft dafür soll das Schicksal der Insel Rungholt sein, einer Stadt, die einst in der Nordsee versank. Ein Gedicht von Detlev von Liliencron (* 1844 in Kiel; † 22.  Alt-Rahlstedt (Stadtteil von Hamburg)), vertont von Achim Reichel:

Trutz, Blanke Hans ist eine Ballade von Detlev von Liliencron von 1882. Er verarbeitet darin die Rungholt-Sage, nach der die reiche, aber gottlose Stadt durch eine Sturmflut vernichtet wurde.

Blanker Hans ist eine bildhafte Bezeichnung für die tobende Nordsee bei Sturmfluten. „Blank“ kommt aus dem Niederländischen, bedeutet „weiί“ und bezeichnet hier die Gischt, die weiße Schaumkrone von stürmischen Wellen.

 

Wann kommt es zu einer Sturmflut?

Eine Sturmflut ist eine durch Sturm mit auflandigen Winden erhöhte Flut des Ozeans. Die Deutsche Bucht ist durch den Trichtereffekt der Nordseeküste eines der am stärksten von Sturmfluten bedrohten Gebiete weltweit. Besonders hohe Fluten drohen hier bei starken Winden aus Nordwest. Die Höhe der Flut wird beeinflusst durch die Stärke und Dauer des Sturms sowie davon, ob es sich um eine Springtide handelt oder nicht. Alle diese Faktoren deuten darauf hin, dass wir am Donnerstag und Freitag mit einer Sturmflut an der Nordseeküste rechnen müssen.

Springtide: Ebbe und Flut werden bekanntlich durch die Anziehungskraft des Mondes auf die Wassermassen der Ozeane verursacht. Doch auch die Gravitation der Sonne hat einen Einfluss auf die Gezeiten. Sowohl bei Voll- als auch bei Neumond befinden sich Sonne, Mond und Erde in einer Linie, an diesen Tagen (genauer: durch die Springverspätung drei Tage später) kommt es zu extremeren Hoch- und Niedrigwassern. Dieses wird am Freitag der Fall sein.

Da die Menschen im Mittelalter noch keine Wetterkarte kannten und wenig von globalen Luftdruckverhältnissen wussten, suchten sie nach anderen Gründen für eine Sturmflut. Die Kirche interpretierte sie als Strafe Gottes für lasterhaftes Leben und respektloses Verhalten gegenüber Gott. So sollen übermütige Bauern Rungholts bei einem abendlichen Trinkgelage einen Pfarrer genötigt haben, einem Schwein, das sie zuvor betrunken gemacht hatten, die Sterbesakramente zu gewähren. Das behauptete jedenfalls die Kirche, obwohl sonst niemand auch nur irgendetwas über das Leben im alten Rungholt zu berichten wusste.

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