ÜberZuckert

Neue Horrormeldung von den EU-Bürokraten: Zuckerproduktion wird in Frage gestellt, tausende Landwirte verlieren ihre Existenz, Zuckerfabriken müssen schließen.  Würfelzucker

 

 

„Wenn der EU-Vorschlag so umgesetzt wird, wird nachhaltige und umweltschonende Zuckerproduktion einer Sklavenhalter- Landwirtschaft in Brasilien geopfert“ wettert der Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Stimmt das wirklich? Ich habe mal genau gelesen.

 

  • In der europäischen Landwirtschaft gab es noch nie einen freien Markt, sondern eine Planwirtschaft mit politisch festgesetzten Preisen und garantierten Abnahmemengen. So beträgt der Garantiepreis in der EU für Zucker 632 Euro je Tonne, drei Mal so hoch wie der Preis auf dem Weltmarkt, bei einer garantierten Abnahmequote von 17,4 Millionen Tonnen. Das kostet die EU jährlich 1,7 Milliarden Euro Subventionen.
  • Um diesen Preis zu halten, wird Europas Zuckerwirtschaft vom Welthandel abgeschottet. Nur die 49 ärmsten Länder der Welt bekommen einen begrenzten Zugang zum europäischen Markt. Ihre gemeinsame jährliche Quote entspricht dem EU-Zuckerverbrauch von 3 Tagen.
  • Die subventionierten Preise und garantierten Abnahmemengen bewirken einen Überschuss von jährlich 5 bis 6 Millionen Tonnen Zucker, der in der EU nicht verbraucht werden kann. Dieser wird mit Hilfe von 800 Millionen Euro verdeckten Exportsubventionen für 180 Euro pro Tonne auf dem Weltmarkt verkauft und macht 30% aller weltweiten Zuckerexporte aus. Anders ausgedrückt: Die EU zahlt 3,30 Euro um Zucker im Wert von 1 Euro zu exportieren.
  • Die riesigen Mengen billigen europäischen Zuckers sorgen für einen Preisverfall auf dem Weltmarkt, unter dem vor allem die Entwicklungsländer leiden und dort besonders die kleinen Bauern trifft. Oxfam hat das für einige der ärmsten Länder detailliert nachgerechnet: Überzuckert! Wie die Zuckerpolitik der EU den armen Ländern schadet (PDF Dokument PDF, 950 KB). Auch in Europa nützt die Zuckermarktordnung vor allem den großen Firmen, zum Beispiel dem Marktführer Südzucker, der gerade einen satten Gewinn meldete.
  • Wenn die EU-Kommission jetzt vorschlägt, den Garantiepreis für Zucker durch einen um einen Drittel niedrigeren Richtpreis zu ersetzen, die bezuschusste Abnahmemenge um 2,8 Millionen Tonnen zu senken und gleichzeitig die Bauern für die Einbußen zu entschädigen, ändert sich noch nicht viel an dem ganzen teuren Irrsinn. Aber so weit wird es trotzdem nicht kommen, die Politiker werden schon die Interessen ihrer nationalen Zuckerindustrie schützen.

 

Nachtrag zur „Sklavenhalter-Landwirtschaft in Brasilien“: KerLeone begründet (auf englisch) im Ethno::Log, warum diese Wortwahl eine totale Ignoranz der Kolonialgeschichte und ihrer Folgen ist.

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