Die Berliner Mauer

Jahrzehntelang wollte man sie loswerden, sie war das meist gehasste Bauwerk Europas, aber es ging nicht. Heute, 24 Jahre nach dem Mauerfall, sucht man sie oder zumindest Reste von ihr oft vergebens.

Berliner Mauer

Wenn man heute als Besucher nach Berlin kommt, muss man sich schon sehr anstrengen, um noch ein Stückchen der Mauer zu sehen, die zwischen 1961 und 1989 die Stadt teilte. Klar, es gibt die frühere Hinterlandmauer der East-Side-Gallery und die Gedenkstätte in der Bernauer Straße, wo die Grenzanlage auf 60 Metern fast komplett erhalten ist. Wenn aber andernorts nicht gerade einige Pflastersteine im Straßenbild den entscheidenden Hinweis geben, lässt sich der Verlauf der Mauer kaum noch nachvollziehen.

Bei so einer touristischen Spurensuche freut man sich über jede Fundstelle – und blendet dabei aus, was die Mauer für die von ihr Betroffenen verursacht und bis heute an Narben zurückgelassen hat. Wunden im Stadtbild kann man heilen, die im Leben eines Menschen jedoch nicht.

Dieser Spagat gelingt der tollen Website des Rundfunks Berlin Brandenburg Die Berliner Mauer – Geschichte in Bildern. Die Seite erkennt, ob man sie auf einem normalen Computer oder auf einem Smartphone mit kleinem Bildschirm aufruft. Zuhause wählt man wohl am Besten die Zeitleiste, vor Ort mit dem Handy die interaktive Karte, die mit Bing Maps realisiert wurde.

 

In Karte und Zeitleiste eingebaut sind viele Informationen und 250 Filme von 20 Sekunden bis 5 Minuten Länge, die von der Mauer und dem Leben in der geteilten Stadt berichten. Man kann also vor Ort ansehen, was genau an dieser Stelle vor einigen Jahrzehnten passierte und wie es hier aussah. Die Videos stammen aus den Archiven des Deutschen Fernsehens und des Fernsehens der DDR. Eine gelungene Sache, die zeigt, dass unsere Fernsehgebühren nicht nur Schrott finanzieren.

Gefunden

Auf die Website aufmerksam wurde ich durch einen Bericht in der Tagesschau. Dabei unterlief den Redakteuren jedoch ein Fehler, sie nannten im Beitrag die Adresse www.berlin-mauer.de zwar richtig, blendeten unten aber fälschlich www.berliner-mauer.de ein. So stieß ich auf ein weiteres, privates Projekt, das noch mehr Fotos und Informationen, aber keine Videos und keine interaktive Karte besitzt. Es stellt aber eine gute Ergänzung zur rbb-Seite dar. Manchmal sind Fehler eben auch recht nützlich.

Bei Nacht

Während wir auf der Erde Schwierigkeiten haben, den Verlauf der Berliner Mauer genau zu rekonstruieren, war es für den kanadischen Astronauten Chris Hadfield recht einfach, der im April 2013 folgendes Foto aus der Internationalen Raumstation ISS twitterte:

 

Berlin aus dem Weltall (bei Nacht)

Berliner Nacht aus dem Weltall (Foto: Hadfield / NASA)

 

Schuld daran, dass Berlin aus dem All noch immer eine geteilte Stadt ist, sind die Straßenlaternen. Während in Ost-Berlin vor allem gelbliche Natriumdampflampen zum Einsatz kamen, waren es in West-Berlin eher weiße Leuchstoff- und Quecksilberdampflampen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Die zum Vattenfall Konzern gehörende BerlinLicht bemüht sich zwar, die Straßenbeleuchtung energieeffizienter zu gestalten, bis aber ganz Berlin einheitlich mit modernen LED-Lampen ausgestattet ist, sollen noch 30 Jahre vergehen. Dann leuchtet Berlin ungeteilt weiß, kalt und weiß.

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