Doktor Eisenbart

Dieses Spottlied enstand um 1800, etwa 70 Jahre nach dem Tod von Johannes Andreas Eisenbarth, hier geht es zur Kurzbiografie.

Der sich nach jeder Zeile wiederholende Refrain „widewidewitt, bum, bum,“ bzw. „widewidewitt, juchheirassa,“ ist im Text ausgelassen.

Doctor Eisenbart
Ich bin der Doctor Eisenbart,
kurir‘ die Leut nach meiner Art,
kann machen, daί die Blinden geh’n
und daί die Lahmen wieder seh’n.
Mein allergrφίtes Meisterstόck
das macht‘ ich einst in Osnabrόck.
Podagrisch war ein alter Knab‘;
ich schnitt ihm beide Beine ab.
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Das ist die Art, wie ich kurir‘,
So ist probat, ich bόrg‘ dafόr;
Daί jedes Mittel Wirkung thut,
schwφr‘ ich bei meinem Doctorhut.
Zu Wimpfen da kurirte ich,
ein kleines Kind gar meisterlich:
Dem Kind zerbrach ich das Genick,
woran es starb zum guten Glόck.
Zu Potsdam trepanirte ich,
den Koch des groίen Friederich:
Ich schlug ihn mit dem Beil vor’n Kopf,
gestorben ist der arme Tropf.
Zu Ulm kurirt ich einen Mann,
daί ihm das Blut vom Beine rann:
Er wollte gern gekuhpockt sein,
ich impft’s ihm mit dem Bratspieί ein.
Sodann dem Hauptmann von der Lust,
nahm ich drei Bomben aus der Brust,
die Schmerzen waren ihm zu groί;
Wohl ihm! Er ist sie gδnzlich los.
Es hat ein Mann aus Langenfalz,
ein’n zentnerschweren Kropf am Hals:
Den schnόrt‘ ich mit dem Hemmseil zu,
probatum est, er hat jetzt Ruh!
Zu Wien kurirt‘ ich einen Mann,
der hatte einen hohlen Zahn:
Ich schoί ihn ‚raus mit dem Pistol,
ach Gott, wie ist dem Mann so wohl!

 

 

Darin geht es um die Behandlungsmethoden des Johann Andreas Eisenbarth, der in dem Lied als Kurpfuscher dargestellt wird. Es ist wahrscheinlich um 1800 unter Göttinger Studenten entstanden. Ein beliebtes Ausflugsziel für sie war damals das nahegelegene Hann. Münden, wo die Grabstätte des  Johann Andreas Eisenbarth (1663-1727) lag.

Das Lied wandelte sich zum Kinderleid, und seine Melodie ist auch die Grundlage für das ebenfalls populäre „Ein Mann, der sich Kolumbus nannt„.

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