Die Daytrotter Sessions

Gut versteckt in der Einöde des amerikanischen Mittleren Westens, ungefähr in der Mitte zwischen Chicago und Omaha, liegt am Oberlauf des Mississippi die Kleinstadt Rock Island.

Wenn nun eine Musik-Band auf Tournee ist und mit ihrem Tourbus durch dieses Kaff kommt, gibt es hier eine Adresse, wo man immer eine Tasse Kaffee, eine Pizza und eine warme Dusche vorfindet, dazu nette Leute zum Klönen und einige Instrumente, auf denen man drei oder vier Lieder spielen kann. Diese werden aufgenommen und im Internet zum Anhören und freien Download angeboten: die Daytrotter Sessions.

So geht jedenfalls die Legende…

… wie sie auch von den Medien wie Spiegel Online gerne verbreitet wird und gut in diesen Blog  passen würde. Was allerdings nur die halbe Wahrheit ist. In Wirklichkeit ist das ganze natürlich Teil eines gut durchdachten Marketing-Konzepts, mit der sich junge un- oder halb-bekannte Musiker einer breiten Öffentlichkeit vorstellen und bekannt werden können. Was allerdings der Qualität der Musik und des Unternehmens keinen Abbruch tut.

 

Die Webseite Daytrotter Sessions ist auf jeden Fall eine Wucht, sowohl inhaltlich als auch optisch. Es ist eine der schönsten Webseiten des Internets! Täglich werden hier ein oder zwei Sessions mit Musikern der Indie-Szene aufgenommen, sparsam abgemischt und online gestellt. Im Laufe der letzten drei Jahre sind also hunderte von Bands hier aufgetreten. Einige von ihnen sind inzwischen bekannt geworden, wie die Fleet Foxes, Vampire Weekend, Death Cab For Cutie, Spoon oder die Ting Tings. Andere sind schon seit Jahren unterwegs und Musikfreunden nicht ganz fremd, etwa Tricky, Dinosaur Jr, Will Oldham, Aimee Mann oder die singende Schauspielerin Juliette Lewis. Der Großteil der Künstler ist jedoch (noch) vollkommen unbekannt und gerade deshalb für viele spannende Entdeckungen gut.

Wer sich als etwas älterer Musikfreund noch an die legendären Peel-Sessions der BBC erinnert, findet hier die aktuelle Fortsetzung. Die qualitative Messlatte liegt dementsprechend hoch. So hoch, das bisher noch niemand diese einzigartige Idee nachgemacht hat, und das gilt im heiß umkämpften Internet- und Musikmarkt als die höchste Auszeichnung.

 

 

Man kann sich stundenlang durch die Musik hören, Infos zu den Künstlern lesen, die tollen Grafiken betrachten und bei Gefallen einzelne Stücke gratis und völlig legal herunterladen. Wer zu Weihnachten also eine tolle Mix-CD mit Spezialitäten verschenken oder einfach nur seinen eigenen mp3-Player neu beladen möchte, wird hier fündig. Aber Vorsicht: es besteht Suchtgefahr! Denn schließlich gibt es fast täglich eine neue Dosis Musik.

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