Cher – Die Diva

 

Als die 16-jährige Tochter eines Armeniers und einer Schauspielerin mit indianischen Wurzeln 1962 auf Salvatore Phillip Bono trifft, quält sie noch hartnäckiges Lampenfieber. Geduldig formt der kleine Mann mit dem Pisspott-Haarschnitt die schüchterne Kalifornierin mit der dunklen Stimme zum Star, das Duett „I Got You Babe“ bedeutet 1965 den weltweiten Durchbruch für Sonny & Cher. Amerika liebt das ungleiche Paar in den verrückten Outfits. Es folgen weitere Chartstürmer, eine erfolgreiche TV-Comedy-Show und 1969 die Geburt von Tochter Chastity. Doch das Glück währt kurz. Fünf Jahre später wird die Vorzeige-Ehe geschieden, beide schlagen auch beruflich Solopfade ein. Nach einer weiteren gescheiterten Liaison steht Cher Ende der Siebziger als alleinerziehende Mutter (Sohn Elijah Blue wird 1976 geboren) vor zwei Millionen Dollar Schulden.

 

Der Weg zurück an die Spitze ist hart, doch wozu hatte sie sonst als elfjährige ihre Unterschrift geübt. Cher singt vor Betrunkenen in Clubs, hofft auf lukrative Auftritte in Las Vegas und knüpft Film-Kontakte. Zunächst vergeblich. Musikalisch agiert sie damals wie heute ohne Scheuklappen, intoniert Folk, großorchestrierte Sinatra-Sounds oder Country, ist Disco-Queen und Rockerbraut. 1999 sollte sie dann mit „Believe“ den Dancefloor-Thron besteigen. Wie keine andere Künstlerin kultiviert Cher dabei die Fähigkeit, ihr vielseitiges Talent in andere Bahnen und Medien zu lenken, weshalb Fans sie auch zur „Prä-Madonna Primadonna“ kürten. Endlich erhört dann Hollywood ihren Ruf und in den 80er Jahren darf sie u.a. mit Nicolas Cage, Meryl Streep und Jack Nicholson die Leinwand teilen. Eine Goldene Palme, drei Golden Globes und einen Oscar bringen ihrem Trophäenschrank Rollen in „Mondsüchtig“, „Silkwood“ und „Die Maske“ ein. Seit letzterem engagiert sie sich zudem vehement für Betroffene der Schädelknochen-Deformation.

 

Ausreichend Platz in den Klatschspalten sichert dem Multitalent, das die eigene Halbwertzeit einmal mit den Worten „Nach dem nuklearen Super-GAU werden lediglich Kakerlaken übrig sein – und Cher!“ beschrieb, sein extravaganter Modestil. Lange vor Britney etwa trägt Cher die berüchtigten Schambein-Jeans, erscheint bauchfrei und mit pompöser Mohawk-Frisur zu den Oscars und lässt sich einen Schmetterling nebst Blüten auf die Pobacken tätowieren. Fazit: „Ich habe keine Angst davor, lächerlich auszusehen. Es ist ein schmutziger Job, aber irgendjemand muss ihn tun.“ Auch vor karriereschädigenden Fitness-Videos und einer bespöttelten Haarpflege-Werbesendung macht sie nicht Halt, voller Selbstironie erzählt sie ohne Zögern von diesen Fehlgriffen. Die ihr unterstellten Zillionen von Schönheitsoperationen handelt Cher ähnlich entspannt ab: „Wenn ich meine Titten auf dem Rücken haben möchte, geht das niemanden außer mir etwas an.“ Politisch korrekten Mainstream nachplappern war eben noch nie ihre Art. Über George W. Bush sagt die überzeugte Demokratin vor dessen Wahl in einem Interview: „Ich traue ihm nicht. Er ist dumm und faul. Lieber steche ich mir Nadeln in die Augen, als die Republikaner zu wählen.“

 

Last Diva Standing

Mit 58 Jahren stemmt sie die erfolgreichste Tour einer Sängerin in der Geschichte (Einspielergebnis: etwa 250 Millionen Dollar), das dazugehörige TV-Spezial (17 Millionen US-Zuschauer) räumt drei Emmys ab. Nicht genug: Cher veröffentlicht ein Platinalbum („Living Proof“), dreht die vielgelobte Komödie „Unzertrennlich“ und unterzeichnet einen neuen Plattenvertrag. Hätte die Gesundheitsfanatikerin, die sich sechs Tage die Woche mit Yoga und Gewichten fit hält, je Drogen genommen, sie wähnte sich auf einem irren LSD-Trip.

Rechnerisch alle 3,3 Tage, nämlich 218 Mal haben Cher, ihre zwei Background-Sängerinnen und acht Tänzer seit Juni 2002 die gigantische „Farewell“-Show auf Bühnen in den USA und in Europa zelebriert. Allein sechsmal feierte das New Yorker Publikum sie im ausverkauften Madison Square Garden. Vierzehnjährige Girlies, Schwule und Lesben jeden Alters, Hetero-Paare kurz vor der Rente – vereint für 90 Minuten Divenhuldigung und pures Vergnügen.

 

 

Chers unerschrockene Ehrlichkeit, ausgeprägtes Faible für Glamour und ihre eigene Außenseiterstellung machen sie früh zur Göttin der Community. Bereits in den Seventies tritt sie mit Travestiekünstlern auf, sogar Cher-Doubles, spielt die Songs ihres „Believe“-Albums zur Probe in Schwulendiscos vor und übernimmt eine umjubelte Gastrolle in der Sitcom „Will & Grace“. Sympathie für warme Brüder entdeckte sie bereits als kleines Mädchen durch zwei Friseure ihrer Mum: „Sie waren die coolsten, witzigsten Typen der Umgebung“. In Beziehungsdingen hat Cher, die u.a. KISS-Zunge Gene Simmons und Bon-Jovi-Gitarrero Richie Sambora datete, übrigens ein sehr schwuppenkonformes Motto: „Ein Mädchen kann natürlich auf den richtigen Mann warten, was nicht heißt, dass sie in der Zwischenzeit nicht viel Spaß mit all den Falschen haben kann.“

 

Die Filme von Oscar-Preisträgerin Cher

 

„Good Times” (1967)

 

„Chastity” (1969)


Der Film ruinierte Sonny und Cher finanziell und zwang sie, in Las Vegas jeden Bühnen-Job anzunehmen, den sie kriegen konnten.
 

„Komm’ zurück, Jimmy Dean” (1982)


Cher wurde für „Jimmy Dean” einen Golden Globe nominiert.
 

„Silkwood” (1983)


Für das Atomstrahlen-Drama an der Seite von Meryl Streep gewann Cher den Golden Globe in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin” und wurde für den Oscar nominiert.
 

„Die Maske” (1985)


Cher gewann mit dieser Rolle beim Filmfestival von Cannes in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin” und wurde für einen Golden Globe nominiert.
 

„Die Hexen von Eastwick” (1987)

 

„Suspect – Unter Verdacht” (1987)

 

„Mondsüchtig” (1987)


Jackpot! Für ihre Rolle einer italo-amerikanischen Witwe, die Nicolas Cage ohrfeigt, gewann Cher für diese Rolle einen Oscar. Außerdem einen Golden Globe sowie weitere Kritiker-Preise.
 

„Meerjungfrauen küssen besser” (1990)

 

„Der Hochzeitstag” (1996)

 

„Tee mit Mussolini” (1999)

 

„Unzertrennlich” (2003)

 

„Burlesque” (2010)

 

 

Top Platzierungen in den Charts

 

Wann immer wir in der Nahtlos” Redaktion einen Extra-Kick Energie und gute Laune brauchen, sind Songs von Cher unsere erste Wahl. Und nicht nur unsere, 100 Millionen Platten hat die Poplegende in ihrer bisher 45-jährigen Karriere verkauft, allein „Believe” ging 1999 10 Millionen Mal über die VD-Store-Theke. Wir haben hier ihre erfolgreichsten Chart-Hits zusammengestellt.

„I Got You Babe” (1965)

 

Nummer 1 in den Billboard Hot 100

 

„Gypsys, Tramps and Thieves” (1971)


Nummer 1 in den Billboard Hot 100
 

„All I Ever Need Is You” (1971)


Nummer 1 in den Adult Contemporary Airplay Charts
 

„Half Breed” (1973)


Nummer 1 in den Billboard Hot 100
 

„Dark Lady” (1974)


Nummer 1 in den Billboard Hot 100
 

„If I Could Turn Back Time” (1989)


Nummer 1 in den Adult Contemporary Airplay Charts
 

„After All” (1989)


Nummer 1 in den Adult Contemporary Airplay Charts
 

„The Shoop Shoop Song (It’s in His Kiss)” (1990)


Nummer 1 in den United World Charts
 

„Believe” (1999)


Nummer 1 in den Billboard Hot 100 und in den Billboard Dance/Club Songs Charts
 

„Strong Enough” (1999)


Nummer 1 in den Billboard Hot 100 und in den Billboard Dance/Club Songs Charts
 

„All or Nothing” (1999)


Nummer 1 in den Billboard Hot 100 und in den Billboard Dance/Club Songs Charts
 

„Different Kind of Love Song” (2001)


Nummer 1 in den Billboard Dance/Club Songs Charts
 

„When the Money’s Gone” (2003)


Nummer 1 in den Billboard Dance/Club Songs Charts
 

„You Haven’t Seen the Last of Me” (2010)


Nummer 1 in den Billboard Dance/Club Songs Charts
 

Trivia

 

  • Cher beendete ihre dreijährige Abschiedstournee als erfolgreichste Frau on the road im Showbiz.
  • In jedem Jahrzehnt ihrer Karriere, sechs an der Zahl, geland Cher ein Nummer-1-Hit. Rekord!
  • Von 6. Mai 2008 bis 5. Februar 2011 stand Cher auf der Bühne des Hotels Caesars Palace in Las Vegas. Für 192 gespielte Shows erhielt sie 180 Millionen Dollar.
  • Übrigens: Mit ihrem selbstgeschriebenen Album „not.com-mercial” gehörte Cher 1999 zu einer frühen Gruppe von Künstlern, die ihre Werke in Eigenregie und exklusiv über das Internet verkauften. Der Titel ist eine Anspielung auf die Ablehnung des Projektes seitens Warner Music, die es als „not commercial” bezeichneten.
  • Und: 2003 nahm Cher den wunderschönen Broadway-Klassiker „Bewitched, Bothered and Bewildered” mit Rod Stewart auf, zu hören auf dessen Album „As Time Goes By… The Great American Songbook Volume II”
  • Für ihre Rolle als Club-Besitzerin Tess in der Stripper-Klamotte „Burlesque” (mit Christina Guilera) nahm Cher zwei Songs auf: „Welcome to Burlesque” und „You Haven’t Seen The Last Of Me”. Der Remix von letzterem track kletterte auf Platz 1 der Dance-Charts, die Originalfassung gewann einen Golden Globe.
  • Neues Album: Angeblich ist Cher bereits im Aufnahmestudio – in Nashville, Tennessee
  • Neue Tour: Gerüchten zufolge plant Cher im September 2011 den Auftakt einer Welt-Tournee.
  • Am November 18 2010 durfte Cher ihre Hände und Füße vor dem legendären Grauman’s Chinese Theatre in Hollywood in Zement stecken.
  • Politik: Cher ist bekennender Politik-Junkie und engagiert sich seit Jahren öffentlich für bessere Schutzhelme der US-Soldaten sowie die Versorgung der Kriegsveteranen
  • Die Männer der Diva: u.a. Greg Allman, Sonny Bono, David Geffen, Rob Calimetti, Richie Sambora, Eric Clapton, Mark Hudson, Tim Medvetz und – aktuell – Comedy-Schreiber Ron Zimmerman.
  • Chers Vermögen wird auf circa 600 Millionen Dollar geschätzt, ihr Händchen für lukrative Immobilien-Deals ist ‘berüchtigt’.

Das könnte Dich auch interessieren...