British Breakfast – Reloaded

London is the place to be“, meinen Trend-Scouts, Fashionistas und Kunstliebhaber weltweit – und gleichermaßen bestimmt. Den Tag über besuchen sie Galerien, shoppen im Mode-Mekka Dover Street Market, und durchfeiern die Nächte in den angesagtesten Clubs der Stadt.

Die Begeisterung für London endet jedoch selbst unter den größten Fans abrupt, wenn sie am nächsten Morgen verkatert und hungrig nach einem Frühstückscafé suchen. Denn London besitzt keinerlei Frühstückskultur! Es gibt zwar an jeder dritten Straßenecke im Stadtzentrum eine Filiale von Starbucks und Pret A Manger, aber weder deren hektische Atmosphäre, noch die pappigen Croissants laden zum Verweilen ein.

London Calling: British Breakfast Reloaded

Als verantwortungsbewusste Kolumnistin kann ich leider auch nicht jene kleinen Lokale empfehlen, in denen ältere Londoner gerne morgens ihren Tee trinken und gemächlich in den Tag gleiten. Zwar locken diese Lokale mit viel Patina und Charme und einem großen Zeitungsangebot. Doch ein Blick in die Speisekarte erklärt, warum sie von den Londonern „Greasy Spoon“ genannt werden: das „full British Breakfast“, das man dort serviert, kombiniert  Würstchen, Spiegelei und Speck. Und wem das nicht reicht, der bekommt noch Bohnen in Tomatensoße. Ein Start in den Tag, der Appetit und Linie ruiniert!

Doch es gibt eine Rettung vor derlei Grauen am frühen Morgen: die vier Cafés von Yotam Ottolenghi!

 

Vor acht Jahren machte sich der Israeli daran, den Londonern ein gutes Frühstück zu servieren und eröffnete sein erstes Café im ewigen Trendviertel Notting Hill. „Frühstück ist keine leichte Angelegenheit in England – es ist nicht wie in New York oder Paris. Hier hetzen die Leute am Morgen und nehmen sich keine Zeit zum Frühstücken.“, erklärt er. Trotzdem stehen am Wochenende die Leute vor seinen Läden Schlange und warten geduldig auf einen Platz – denn Ottolenghis unglaublich leckeren Gebäck-Kostbarkeiten kann einfach niemand widerstehen: Mango & Passionsfrucht-Muffins, in Butter geschwenkte und mit Kristallzucker überzogene Hefezöpfe und Croissants, die jüngst vom Stadtmagazin „Time Out“ zu den besten von ganz London gewählt wurden.

 

Brunch gibt es übrigens nur in Yotam Ottolenghis Café in Islington – unbedingt vorher reservieren! Hier sitzen die Gäste zusammen an einem großen Tisch, über dem rote Toaster hängen. Deutsche, die im Ausland bekanntlich am schmerzlichsten „gutes Brot“ vermissen, betreten hier den siebten Himmel. Der Raum duftet nach selbst gebackenen Brot und Foccacia. Dazu gibt es köstliche Marmeladen – natürlich auch selbstgemacht. Wem nach einer langen Club-Nacht der Sinn nach etwas Herzhaften steht, der hat die Wahl zwischen Kräuter-Rührei mit Zucchini auf Toast, überbacken mit Gruyère Käse, oder einem Bananen-Nussbrot mit gesalzener Bienenwabe und Ahornsirup.

Yotam Ottolenghi wird in London inzwischen wie ein Ehrenbürger behandelt. Ich würde mich nicht wundern, wenn die Queen ihn bald für seine Verdienste um die britische Frühstückskultur adelt. In den gehobenen Kreisen gehört es zum guten Ton, das Party-Catering bei Ottolenghi zu bestellen. Sein erstes Kochbuch, in dem er die Rezepte seiner Schokoloden-Haselnuss-Brownies und die Baiser mit Himbeerglasur in der Größe von Honigmelonen verriet, wurde ein Bestseller.

 

Trotz des umwerfenden Erfolgs seiner Cafés widersteht Ottolenghi der ökonomischen Verlockung, eine Kette aufzubauen. „Ich besuche täglich jedes meiner vier Cafés und schaue, dass alles so ist, wie es mir gefällt, und dass die Gäste sich wohl fühlen. In einer Kette ist das nicht möglich. Mein neues Projekt ist ein Restaurant in Soho, wir haben gerade mit dem Ausbau begonnen.“

Wer es sobald nicht nach London schafft und auch kein Kochbuch-Fan ist, der kann dennoch Ottolenghis leckere Gerichte probieren: Als Kolumnist für die Tageszeitung „Guardian“ schreibt er jede Woche über ein neues Rezept und die Inspiration dazu. Dabei lernt man nicht nur kochen, sondern erfährt gleichzeitig eine Menge über London und Ottolenghis Heimat Israel.

Eigentlich aber sollten Sie nach London kommen, durch Kunstgalerien schlendern, durch Kaufhäuser und Boutiquen. Dann zu den neuesten Beats bis in den Morgen tanzen – und immer zu wissen, wo das beste Frühstück der Stadt auf Sie wartet.

Have a good time in London!

 

P.s.

Aber die Greasy Spoons und oder ein Full Cooked Breakfast in einem der Top Hotels gehören mich zu England wie die Queen… Croissants kann ich in Paris verzehren und Hefezöpfe in München ;-).

 

P.p.s

Und, apropos bzgl. „Place to be“, ein Zitat aus dem Song „New York“ von Nina Hagen:

„New York City ist die heißeste Stadt, wenn man einen neuen Boyfriend und ein Hotelzimmer hat.“

 

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