Bertha Benz – Patent-Motorwagen Nr.1

Eine Frau „fährt“ Auto-Geschichte

Carl Friedrich Benz war ein Maschinenbau-Ingenieur aus Karlsruhe. 1878 entwickelte er den Zweitakt-Verbrennungsmotor, später den Viertaktmotor. Außerdem erfand er den Differentialantrieb, die Zündkerzen, die Kupplung, den Vergaser, den Kühler mit Wasser, die Gangschaltung und andere Kraftfahrzeugelemente.

In geschäftlichen Dingen war er jedoch weniger beschlagen und geriet bald in Zahlungsschwierigkeiten. Aus dieser Patsche half ihm seine Verlobte und spätere Frau Bertha. Sie ließ sich ihre Mitgift vorzeitig auszahlen und rettete das Unternehmen ihres Zukünftigen. Ihren größten Beitrag zur Automobilgeschichte leistete sie jedoch einige Jahre später.

1886 entwickelte Carl Benz das erste Auto mit Verbrennungsmotor der Welt. Es hatte drei Räder, 0,9 PS und fuhr eine Höchstgeschwindigkeit von 16 km/h. Es wurde als „ein Wagen ohne Pferde“ verspottet und fand keine Käufer. Auch sein Erfinder wollte dem Motorwagen nur kurze Testfahrten zumuten.

 

Bildquelle: Wikipedia (siehe obigen Link)

Anders seine Frau: ohne das Wissen ihres Mannes beschloss sie, dem Auto eine öffentliche Bewährungsprobe zu geben. Am 5. August 1888 lud Bertha ihre beiden Kinder in die neueste Version des Wagens und machte sich auf die 108 km lange Fahrt von Mannheim nach Pforzheim zu ihrer Mutter und anschließend wieder zurück. Diese erste erfolgreiche Überlandfahrt mit einem Auto trug wesentlich dazu bei, die reichlich bestehenden Vorbehalte der Menschen zu zerstreuen und ermöglichte den wirtschaftlichen Erfolg der Firma. Ihr Mann musste einräumen: „Sie war wagemutiger als ich und hat eine für die Weiterentwicklung des Motorwagens entscheidende Fahrt unternommen“.

Dabei war die Fahrt alles andere als einfach: Größere Steigungen konnte der Wagen nicht schaffen, bergauf musste geschoben werden. Noch problematischer war jedoch die Fahrt bergab, da die einfachen Bremsen den Wagen nicht halten konnten. Eine verstopfte Benzinleitung wurde mit einer Hutnadel gereinigt und bei der defekten Zündung half das Strumpfband. Das mitgenommene Benzin reichte nicht aus und so musste unterwegs nachgekauft werden: Die Apotheke in Wiesloch bei Heidelberg wurde dadurch zur ersten Tankstelle der Welt. Die Bauern nannten den Wagen „Hexenkarre“ und warfen mit Steinen nach Bertha und ihren Kindern, denn sie erschreckten Tiere und Menschen. Auf der Webseite Bertha Benz Fahrt beschreibt die erste Autofahrerin der Welt selbst ihre Reise.

Verbreitung des Automobils

Die Verbreitung des Automobils begann dann in Frankreich, da dort die Straßen besser waren als in Deutschland. 1889 wurden die neuen Benz-Modelle auf der Pariser Weltausstellung gezeigt. Um 1900 war die „Benz & Co. Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim“ das größte Automobilwerk der Welt. 1926 vereinigte man sich mit der „Daimler Motorengesellschaft“ zur „Daimler-Benz AG“. Den Konstrukteur Gottlieb Daimler, der 1885 das erste Motorrad (mit Stützrädern) fahren ließ und 1886 das erste vierrädrige Auto baute, hat Benz nie persönlich kennen gelernt.

110 Jahre nach Bertha Benz‘ erster Überlandfahrt mit einem Auto droht ihr und ihres Mannes Name jedoch in Vergessenheit zu geraten: Nachdem die Daimler-Benz AG 1998 mit der amerikanischen Chrysler Corporation fusionierte, wurde der Name in DaimlerChrysler AG geändert, nach dem verlustreichen Verkauf von Chrysler fungiert das Unternehmen jetzt nur noch als Daimler AG.

Zum 120-jährigen Jubiläum findet vom 1. bis 3. August 2008 die „Bertha Benz Fahrt“ mit alten Automobilen statt. Allerdings nur, wenn die Stadt Mannheim im nächsten Jahr nicht wieder wie 2007 die Fahrt verbietet, da die Oldtimer nicht den geltenden Abgasnormen entsprechen. Soviel zur Wertschätzung deutscher Ingenieurskunst im eigenen Land.

Der Wagen blieb ein Einzelstück, ebenso wie sein direkter Nachfolger Patent-Motorwagen Nummer 2. Er wurde zunächst zum Vierradwagen umgebaut und später ausgeschlachtet. Eine 1903 rekunstruierte Version des  Benz Patent Motor-Wagen Nr. 1 steht heute im Deutschen Museum in München.

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