12-Schritte-Programm zum radikalen Ausmisten

„Es darf nur noch Weniges bei mir bleiben”, sagte Designer Wolfgang Joop einmal in einem Interview. Ein Zitat, das ins Frühjahr passt, wie der Entrümplungs-Container vor die Messie-Wohnung. Sicher, man hat längst noch nicht alles gehabt – aber eigentlich jetzt schon zu viel. Doch gerade nachdem uns auf den Laufstegen in New York, Mailand, London und Paris gerade präsentiert wurde, worauf sich unsere Kleiderschränke im nächsten Winter freuen können, ist es höchste Zeit, die Spreu vom Weizen zu trennen. Und: loszulassen!

Aufatmen statt Unordnung:

In diesem Artikel haben wir einmal die wesentlichsten Strategien zum Verschlanken des eigenen physischen Besitzes gesammelt, und am Schluss gibt’s noch Tipps, wo Sie alle Dinge, von denen Sie sich getrennt haben, sinnvoll „abwerfen” und dabei auch noch etwas Gutes tun. Ihrem eigenen Konto oder bedürftigen Mitmenschen. Also Ärmel hochkrempeln und auf geht’s!

Unser 12-Schritte zum Aufräumen & Entrümpeln

 

 

  1. * Nehmen Sie sich ausreichend Zeit! Vielleicht einen sonnigen Sonntagvormittag, jedenfalls einen time slot, der nicht mit anderen Dingen überfüllt ist und Sie unter Druck setzt. Werfen Sie sich einen lässigen Hausanzug oder ein kuschliges Sweatshirt über und Ihre Lieblings-CD ein. Ein wenig Zelebrieren nimmt der Aufgabe den „Schrecken”.
  2. * Schauen Sie sich daheim um. Auch in den Ecken. Und entscheiden Sie sich dann für einen (!) Raum, der de-cluttering am nötigsten hat. Oder suchen Sie sich zum Start ein Zimmer, das Sie rasch gedownsized haben, für ein schnelles, motivierendes Erfolgserlebnis. In jedem Fall: Konzentrieren Sie sich auf einen „Tatort” zur Zeit!
  3. * Gehen Sie step by step vor. Ein Regal bzw. eine Kleiderstange nach der anderen. Wenn Sie sich gleich einen ganzen begehbaren Schrank vornehmen, steigt rasch ein Gefühl von Überforderung auf – und Ihre Aufräum-Energie verpufft wieder. Hilfreich sind auch Zeiteinheiten, also 15 Minuten räumen, kurze Pause, weitermachen etc.
  4. * Ob überfüllter Schreibtisch, DVD-Stapel auf dem Boden oder Pullover-Fächer, die hoffnungslos vollgestopft sind: Nehmen Sie alles runter und raus und legen Sie es vor sich auf den Boden. Jetzt wischen Sie das leere Fach oder den Regalboden – und packen dann nur die Dinge wieder zurück, die Sie wirklich brauchen. Stellen Sie einen Müllsack und einen „Spenden/Verkaufen”-Behälter neben sich!
  5. * Hilfreiche Fragen und Gedanken für alle, die sich schwer trennen können.
    • Haben Sie dieses Kleidungsstück/Buch/Technik-Gadget im letzten Jahr getragen/gelesen/benutzt? Nein? Weg damit!
    • Hatten Sie bereits vergessen, dass Sie es überhaupt besitzen? Und: Haben Sie es je gebraucht?
    • Ist etwas (schon lange) kaputt, unmodern oder nicht effizient? Weg damit!
    • Haben Sie etwas Gleichartiges, das besser ist?
    • Könnte jemand anderes es besser gebrauchen als Sie?
    • Wenn Sie es wegwerfen: Könnten Sie es jederzeit leicht wiederbeschaffen?
    • Keine Gnade für Papier! Magazine, die Sie nie wieder durchblättern werden, alte Kataloge, Rechnungen, alte Arbeitsunterlagen oder Notizen – ein ultra-kritischer letzter Blick, und weg damit! Und keine Angst: Sie wissen sehr genau, welche Dokumente wirklich unverzichtbar sind!
    • Tappen Sie nicht in die „Das könnte ich irgendwann noch einmal gebrauchen”-Falle. Wenn etwas jetzt keine Funktion in Ihrem Leben hat, wird es sehr wahrscheinlich nie eine erhalten. Sondern einfach nur rumliegen und Staub anziehen.
    • Was genau (!) befürchten Sie, wenn Sie sich von diesem Stück trennen?
    • Erinnerungen bleiben, auch ohne Souvenirs.
    • Schaffen Sie mehr Raum für Menschen in Ihrem Leben und nicht für (unwichtige) Dinge. Denn die lieben Sie nicht zurück!
  6. * Simplicity is bliss – ein minimalistisches, aufgeräumtes Umfeld ist ein wahrer Seegen. Für Ihr Gehirn, das nicht ständig unterbewusst damit beschäftigt ist, an das kleine wichtige Post-it zu denken, das irgendwo begraben liegt. Für Ihre Stimmungslage, weil Sie kein schlechtes Gewissen wegen undurchschaubarer Rechnungsstapel oder Haufen längst zertragener T-Shirts mehr haben. Vor allem aber für Ihre Seele, die sich endlich entspannen kann!
  7. * Die „Not-Box”: Sollten Sie bei so manchem Gegenstand wirklich unsicher sein, packen Sie ihn in eine Box und lagern Sie diese im Keller. Und wenn Sie diese ein Jahr nicht geöffnet haben – weg damit!
  8. * Unordnung und Papierberge haben oft vor allem einen Grund: Sie haben kein oder ein nicht funktionierendes System zum effizienten, logischen Verstauen. Dafür ist es nach dem großen Aufräumeinsatz höchste Zeit!
  9. * Vergessen Sie Ihr Medizinschränkchen und Ihr „Kosmetiklager” im Bad nicht. Abgelaufene Pillen, Präparate, die Sie nie wieder benutzen werden, angeschmuddeltes Verbandsmaterial, Cremes, auf die Sie allergisch reagiert haben oder die den Augenfältchen leider gar nicht entgegenwirkten – gut verschnüren und weg damit!
  10. * Achtung: Auch der Keller oder Dachboden gehört zum Entrümpelungs-Gebiet! Wer alles Überflüssige bloß vom Wohnzimmer in den Speicher verlagert, verschiebt bloß die nötigen Entscheidungen und hält ohne sich bewusst darüber zu sein an alten Gegenständen fest. Und die Gegenstände Sie!.
  11. * Feiern Sie sich und die am Schluss erreichte Übersichtlichkeit. Cheers!
  12. * Prüfen Sie von nun an jede Neuanschaffung genau darauf, ob Sie Ihnen dauerhaft Freude bereiten oder Ihr Leben bereichern bzw. Ihre Arbeit erleichtern wird. So vermeiden Sie, dass sich schnell wieder Berge auftürmen, die Sie in einem Jahr mühevoll abtragen müssen. Faustregel: Für jedes neue Stück muss ein altes gehen. Ein inspirierendes Experiment hat Autor Dave Bruno in seinem Buch „The 100 Things Challenge: How I Got Rid of Almost Everything, Remade My Life, and Regained My Soul” dokumentiert, das wir sehr gern weiterempfehlen!

 

Hier ein drastisches Motivations-Video von Ausmisten-Guru Peter Walsh, für alle, die immer noch zögern, ob sie ohne all that stuff auskommen:

 

 

Und hier noch einige Tipps zum Thema „Wohin mit all dem Zeug?”:

 

  • Viele Organisationen, die Sachspenden annehmen kann man hier kontaktieren: sachspende.de
  • Noch mehr Vereine, die man mit Sachspenden bei ihrer Arbeit unterstützen kann, gibt es hier: spendenportal.de
  • Spenden Sie Ihre alten Sonnenbrillen und helfen Sie damit den Bewohnern der Himalaya-Region Ladakh, die durch die Höhe ihrer Heimat – 3500 bis 5000 Meter – besonders starker Sonnenstrahlung ausgesetzt sind: shadesoflove.org
  • Korrekturbrillen sind für viele Menschen in Afrika unbezahlbar, die Reise zum nächsten Optiker oft 1000 Kilometer weit. Lunette Sans Frontières sammeln daher Ihre alte Brille und lassen sie Bedürftigen zukommen. Mehr auf brillensammelaktion.de
  • Omas Kaffeeservice, die viel zu dicke Daunenjacke, der Deutschland-Atlas von 1972 – diese Perlen und noch viel mehr (gut erhalten!) nehmen die Shops des gemeinnützigen Vereins Oxfam entgegen, die mit dem Verkaufserlös Charity-Projekte in vielen Ländern fördern. Mehr auf oxfam.de
  • Ob Pentium1-Tower oder ausgedienter Laptop – für die Aktion Computer Tafel Hamburg mit Zweigstellen in anderen Bundesländern sind solche (funktionstüchtigen!) Geräte eine willkommene Unterstützung für Gerungverdiener und deren Kinder. Mehr auf computertafelhamburg.de
  • Momox.de kauft alte Bücher, CDs und DVDs, ohne Auktion und einzelnes Verschicken. Der Clou: mit der dazugehörigen iPhone-App lassen sich Barcodes und ISBN-Nummern ganz bequem scannen und per Link auf den Computer übertragen, wo man dann Lieferschein und DHL-Paketmarke ausdrucken kann. Klasse! Very easy!
  • Ok, eBay müssen wir jetzt nicht erklären, oder?!

Update: Das Team von Lifehacker hat einen hilfreichen und ziemlich umfassenden Step-by-Step-Post zum Thema „De-Crapify Your Home” verfasst.

 

 

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