Rheinisches Grundgesetz Kölsche Lebensart

Das Kölsche Grundgesetz

Ein Leitfaden für alle Situationen des Lebens, der kurz und knapp die Überlebensstrategie, der für ihre umfangreiche und direkte Sprache bekannten Kölner, auf den Punkt bringt. Frei nach dem Motto: „Köln kann auch anders!“
Das Kölner Grundgesetz gilt über die Stadtgrenzen hinaus für alle Kölner und Exilkölner; Bürger der Stadt, Nah und Fern!

Das kölsche Grundgesetz (et kölsche Jrundjesetz) ist eine Sammlung von mundartlichen Redensarten und geflügelten Worten, die nicht nur im Karneval, sondern zu jeder Jahreszeit, den Umgang der Rheinländer mit ihrer Umwelt widerspiegeln. Ihre Herkunft und Entstehungszeit sind nicht auszumachen.

Das diese Bonmots als „Artikel“ bzw. „Gesetz“ bezeichnet werden, ist ganz unverkennbar eine Anspielung auf die biblischen 10 Gebote. Denn auch wenn das Rheinland ganz überwiegend katholisch ist, gibt es dort seit Jahrhunderten Widerstand gegen die von der Kanzel gepredigten Vorschriften der Pfaffen.
Hier nun „die ware Geschischte mit dämm Moses un dänne zehn Rejeln“ (die wahre Geschichte mit Moses und den zehn Regeln):

  1. Et es wie et es. (Es ist, wie es ist.)
    Bedeutung: Sieh den Tatsachen ins Auge, du kannst eh nichts ändern.
  2. Et kütt wie et kütt. (Es kommt, wie es kommt.)
    Bedeutung: Füge dich in das Unabwendbare; du kannst ohnehin nichts am Lauf der Dinge ändern.
  3. Et hätt noch emmer joot jejange. (Es ist bisher noch immer gut gegangen.)
    Bedeutung: Was gestern gut gegangen ist, wird auch morgen funktionieren.
    Situationsabhängig auch: Wir wissen es ist Murks, aber es wird schon gut gehen.
  4. Wat fott es, es fott. (Was fort ist, ist fort.)
    Bedeutung: Sieh den Tatsachen ins Auge, du kannst eh nichts ändern.
  5. Et bliev nix wie et wor. (Es bleibt nichts wie es war.)
    Bedeutung: Sei offen für Neuerungen.
  6. Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet. (Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, fort damit.)
    Bedeutung: Sei kritisch, wenn Neuerungen überhandnehmen.
  7. Wat wells de maache? (Was willst du machen?)
    Bedeutung: Füg dich in dein Schicksal.
  8. Maach et joot, ävver nit zo off. (Mach es gut, aber nicht zu oft.)
    Bedeutung: Füge dich in dein Schicksal.
  9. Wat soll dä Kwatsch? (Was soll das sinnlose Gerede?)
    Bedeutung: Qualität geht über Quantität.
  10. Drinks de ejne met? (Trinkst du einen mit?)
    Bedeutung: Stell immer die Universalfrage.
  11. Do laachs de disch kapott. (Da lachst du dich kaputt.)
    Bedeutung: Bewahr dir eine gesunde Einstellung zum Humor.

 

Das Kölner Grundgesetz

Den Rheinländern, und insbesondere den Kölnern, wird eine ganz eigene Lebenseinstellung nachgesagt. Eine Mischung aus Klüngel, einen inhärenten Widerstand gegen die Obrigkeit, und einen ganz tief im Charakter verwurzelten Humor, subsumiert unter dem Begriff „rheinische Frohnatur“.

All dies spiegelt sich im Alltag wieder. Kölsch ist nicht nur ein Dialekt und eine Biersorte, sondern eine Philosophie, die von Lebenslust und Toleranz geprägt ist.

 

PDF zum Download

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Das Kölsche Grundgesetz

Das kölsche Grundgesetz (et kölsche Jrundjesetz) ist eine Sammlung von mundartlichen Redensarten und geflügelten Worten.

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Warum gerade 11 Kölsche Artikel?

Ursprünglich umfasste das Kölner Gesetzbuch 11 Artikel, inzwischen sind aber einige Zusatzartikel verabschiedet worden.

Die Zahl Elf spielt auch im Karneval eine große Rolle. Die fünfte Jahreszeit beginnt ja bekanntlich am 11.11 um 11:11 Uhr.
In der Karnevalssession werden Veranstaltungen wie Bälle, Karnevalssitzungen und Umzüge vom Elferrat organisiert.
Vom 11.11 bis zum 21.12 (Winteranfang) sind es genau 40 Tage, ein Dauer, die auch bei christlichen Feiertagen gerne verwendet wird.

Die 11 ist auch eine „Schnapszahl“ und gilt als Symbol, das die Gleichheit aller Menschen unter der Narrenkappe versinnbildlicht; sozusagen eins neben eins
Etwas unwahrscheinlich ist die Auslegung der Zahl „ELF“ als ein Akronym der Parole der Französischen Revolution (e = égalité, l = liberté, f = fraternité).

Die 9 Zusatzartikel

  1. Et hätt noch schlimmer kumme künne. (Es hätte noch schlimmer kommen können.)
    Notstandsgesetz: Bewahre Deinen Optimismus.
  2. Mer muss och jünne könne! (Man muss auch gönnen können.)
    Wohlstandsgesetz: Sei weder neidisch noch missgünstig!
  3. Mer muss sisch och jet jünne könne! (Man muss sich auch etwas gönnen können.)
    Anti-Stress-Gesetz: Nur in einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist.
  4. Mer muss ers mal janix! (Wir müssen erstmal gar nichts.)
    Beschleunigungsgesetz: Eile mit Weile.
  5. Mäht nix! (Macht nix!)
    Trägheitsgesetz: Übe Dich in Gelassenheit.
  6. Hammer immer su jemaat! (Haben wir immer so gemacht!)
    Bestandsrecht: Vertraue auf Bewährtes.
  7. Wat nit es, dat kann noch wäde. (Was nicht ist, dann kann noch werden.)
    Vorsorgegesetz: Verliere nie die Hoffnung.
  8. Jede Jeck is anders! (Jeder Narr ist anders!)
    Gesetz der großen Zahl: Übe Toleranz und Nachsicht dem anderen gegenüber, im Wissen um die eigene Unvollkommenheit.
  9. Levve und levve losse! (Leben und leben lassen!)
    Gesetz der Nächstenliebe: Sei nett zu anderen Menschen, auch wenn du sie nicht verstehst.