Der Medicus — Filmkritik

Der deutsche Film „Der Medicus“ (2013) ist ein historisches Drama, das auf dem gleichnamigen Roman (1986) von Noah Gordon basiert.

Inhalt / Zusammenfassung

In England

Im England des elften Jahrhunderts leidet die Mutter von Rob Cole an der Seitenkrankheit (Blinddarmentzündung). Der Junge hat eine außergewöhnliche  Gabe: er kann durch Berührung spüren, wenn jemand unheilbar krank ist und er sieht ihren baldigen Tod voraus. Kurze Zeit später schließt sich der Waise dem fahrenden Bader (der sich selbst Barber nennt). Dieser lehrt ihm neben den üblichen Taschenspielertricks, auch die Grundlagen der mittelalterlichen Heilkunde nahebringt, wie den Aderlass oder Zähne ziehen.

  • Es ist das „dunkle Zeitalter“ (Frühmittelalter) und die Kirche kämpft gegen „schwarze Magie“. Das medizinische Wissen griechischer Ärzte wie Hippokrates und Galen war der Medizin des mittelalterlichen Europas verloren gegangen. Ebenso die Schriften und Philosophie von Aristoteles. Es gelangte erst wieder mit der Besetzung Spaniens durch die Araber nach Europa.
  • Bader (auch Stübner) ist seit dem Mittelalter ist eine alte Berufsbezeichnung für den Betreiber einer Badestube. Bader waren die „Ärzte der kleinen Leute“, die sich keinen Rat bei den studierten Ärzten leisten konnten. Oft standen sie unter dem Risiko von der Kirche  wegen Hexerei verfolgt zu werden.

Als der Bader an Katarakt erblindet, bringt Rob Cole ihn zu einem echten Medicus in einer jüdischen Siedlung, der den Bader mit einem „Starstich“ heilt. Rob Cole lernt die Kinder Jesse und Benjamin kennen und erfährt einiges über jüdische Bräuche. Auch sieht er zum ersten Mal eine Weltkarte und erfährt von dem legendären Ibn Sina im fernen Isfahan (Persien). Er beschließt dort Medizin zu studieren.

 

Unterwegs & Ausbildung

Während seiner einjährigen Reise, begibt er sich u.a. nach Ägypten, und nimmt dort eine Beschneidung an sich selbst vor, als er erfährt, dass nur Juden, aber keine Christen in der Schule zugelassen werden. Er schließt sich dann, Unter dem Namen Jesse Ben Benjamin, einer Karawane an und lernt dort Rebecca kennen. Die Karawane gerät in einen Sandsturm, und fast alle Mitreisenden sterben.

Halb verdurstet gelangt er nach Isfahan und bittet um Aufnahme in die Schule von Ibn Sina. Er wird aber von den Wärtern hinausgeworfen und geschlagen. Auf der Straße liegend mit einer Schnittwunde und einer Gehirnerschütterung wird er als Patient in Krankenhaus (persisch: Bimārestān) aufgenommen. Ibn Sina (latinisiert Avicenna) behandelt ihn persönlich und ermöglicht ihm die Aufnahme in die Studentengruppe.

 

Er erhält eine wissenschaftliche Ausbildung in Medizin und auch weiteren Fächern (u.a. auch der  Philosophie Aristoteles und des Islams). Rob lernt, eine Anamnese durchzuführen, verschiedenen Methoden, wie Pulsdiagnose, die Blutegelbehandlung, die Verwendung von Opium und diverse kleinere chirurgische Eingriffe durchzuführen.

Pest & Liebe

Nachdem der Schah einen Friedensvertrag mit den Seldschuken abgelehnt hat, schicken die diese einen Mann, der mit dem Schwarzen Tod (Pest) infiziert ist, um eine Seuche in der Stadt auszulösen. Tausende sterben, und erst durch Robs Entdeckung und rasche Anwendung der hygienischen Grundprinzipien wird die Pest überwunden. Rob schlägt vor, dass orientalische Rattenflöhe die Träger der Pest sein könnten, und mit Rattengift kann der Schädling unterdrückt werden.

Rob trifft Rebecca wieder, die von der Pest heimgesucht wurde aber unter seiner Fürsorge gesundet. Sie wurde an einen älteren Ehemann „verkauft“ der aber aus Angst vor der Pest die Stadt verlassen und Rebecca ihrem Schicksal überlassen hat.

Zwischen Rob und Rebecca entwickelt sich eine Romanze. Sie wird von ihm schwanger, will die Liebe zu Rob ihrem inzwischen zurückgekehrten Mann gegenüber nicht vertuschen und erwartet ihre Bestrafung nach jüdischem Recht (Steinigung zum Tode).

 

Autopsie & Schah

Die christlichen, jüdischen und islamischen Religionen erlaubten seinerzeit keine Autopsie am menschlichen Körper. Als ein Zoroastrianer an einer Blinddarmentzündung stirbt, erfährt Rob von ihm, dass der Zoroastrismus es einem Anhänger nicht verbietet, sich nach dem Tod einer Autopsie zu unterziehen. Rob führt heimlich eine Autopsie an durch, um sein anatomisches Wissen zu vertiefen und entdeckt den entzündeten Wurmfortsatz. Als die Mullahs herausfinden, was er getan hat, werden sowohl Rob als auch Ibn Sina wegen Nekromantie (Totenbeschwörung) zum Tode verurteilt. Rebecca soll wegen Ehebruchs gesteinigt werden. Da erkrankt der Schah an einer offensichtlichen Blinddarmentzündung. Rob und Ibn Sina werden befreit, so dass Rob eine Appendektomie mit Anästhesie am Schah durchführen kann. Bevor er mit der Operation beginnt, sorgt Rob dafür, dass Rebecca vor ihrer bevorstehenden Hinrichtung gerettet wird.

 

Zeitgleich wird Isfahan von den Mullahs an die Seldschuken verraten, da sie die jüdische Gemeinde und weltliche „Gotteslästerer“, wie Ibn Sina aus der Stadt vertreiben wollen. Mullah-Soldaten rücken an, um das Krankenhaus zu erobern. Ibn Sina begibt sich in die brennende Bibliothek übergibt seine medizinischen Schriften Rob Cole und verleiht ihm den medizinischen Titel „Hakim“. Ibn Sina. bleibt dann in der brennenden Bibliothek zurück, um zu sterben.

Rob Cole, wie auch andere, entkommen durch ein Tor, zu dem ihm der Schah den Weg weist, während er und seine Männer bleiben um sich den Seldschuken entgegenzustellen. Rob kehrt mit seiner Frau Rebecca nach London zurück und gründet ein Krankenhaus. Der alte Bader, Coles erster Lehrer, erfährt von einem kleinen Jungen von der Rückkehr und dem Ruhm seines ehemaligen Schülers. In der Schlussszene des Films bittet er den Jungen, ihn mitzunehmen, um seinen alten Schüler wiederzusehen.

 

Trailer

Im elften Jahrhundert, in England, hat die Mutter des Jungen Rob Cole die Seitenkrankheit (Blinddarmentzündung) und er sieht ihren Tod voraus, als er sie berührt. Das Waisenkind Rob ist allein und er folgt einem reisenden Bader-Chirurgen, der ihm beibringt, wie man die Bedürftigen heilt. Als der Bader durch Katarakt erblindet ist, sucht Rob Cole einen jüdischen Arzt auf, der die Krankheit heilt. Rob Cole beschließt, Medizin bei dem berühmten Ibn Sina im fernen Persien zu lernen.

Während seiner einjährigen Reise führt Rob eine Selbstbeschneidung durch und ändert seinen Namen in Jesse Ben Benjamin (um sich als Jude auszugeben), der von Ibn Sinas Schule in Isfahan akzeptiert wird. Außerdem verliebt er sich in Rebecca, die in derselben Karawane nach Isfahan reist. Jesse lernt Medizin bei Ibn Sina. Als er eine (verbotene) Autopsie durchführt und Rebecca schwanger wird, sind die Leben von Ibn Sina, Jesse und ihren Freunden in großer Gefahr.

 

Historische Diskrepanzen

  1. Ibn Sina (Avicenna), gilt als der größte Wissenschaftler und Arzt seiner Zeit, Vater der modernen Medizin und konservativer Muslim.
  2. Ibn Sina starb friedlich im Bett und beging keinesfalls Selbstmord. starb 1037 vor der Eroberung durch die Seldschuken im Jahr 1051.
  3. Isfahan liegt im zentralen Teil des Irans, und dort sprach man Persisch, nicht Arabisch (erst Recht nicht mit einem Levantinischen Akzent).
  4. Juden wurden keinesfalls gezwungen, das Land zu verlassen, Christen durften auch studieren. Niemand wurde wegen seines religiösen Glaubens unter der islamischen Herrschaft zu dieser Zeit verfolgt.

 

Das könnte Dich auch interessieren...